Scharlach ist eine weitverbreitete bakterielle Infektion, von der vor allem Kinder häufig betroffen sind. Verantwortlich dafür sind Gruppe-A-Streptokokken, Bakterien, die sich vorwiegend im Mund- und Rachenraum ansiedeln.
Unter normalen Umständen verursachen sie keine Beschwerden, doch wenn diese Bakterien bestimmte Giftstoffe, sogenannte Toxine, bilden, kann es zu einer Erkrankung kommen, die sich durch Entzündungen, Fieber und charakteristische Hautrötungen bemerkbar macht. Diese Toxine bewirken eine vermehrte Durchlässigkeit der Blutgefässe, wodurch die typischen Symptome der Krankheit erklärt werden können.
Interessanterweise gibt es verschiedene Varianten dieser von den Streptokokken produzierten Toxine. Aufgrund dieser Vielfalt ist es möglich, dass eine Person mehrmals an Scharlach erkrankt, da der Körper nach einer Erkrankung nur gegen das jeweils verantwortliche Toxin eine Immunität entwickelt.
Typischerweise äussert sich Scharlach ein bis drei Tage nach der Ansteckung durch eine Reihe spezifischer Beschwerden, die vor allem den Rachen, die Haut und das allgemeine Befinden betreffen. Zu den häufigsten ersten Anzeichen gehören heftige Halsschmerzen, die mit Schmerzen beim Schlucken einhergehen, sowie Fieber, das oft zusammen mit Schüttelfrost auftritt. Gleichzeitig kann eine deutliche Abgeschlagenheit auftreten.
Besonders bei jüngeren Kindern zählen Bauchschmerzen und gelegentlich auch Übelkeit mit Erbrechen zum Krankheitsbild. Zudem treten häufig geschwollene Mandeln und vergrösserte Lymphknoten im Halsbereich auf. Dies weist auf die aktive Immunantwort des Körpers gegen die Infektion hin.
Ein charakteristisches Symptom von Scharlach ist die sogenannte „Himbeerzunge“. Sie beginnt mit einem weissen Belag, der sich nach einigen Tagen in ein kräftig rotes Erscheinungsbild verwandelt. Rund zwei Tage nach den ersten Beschwerden entwickelt sich in der Regel ein Hautausschlag, der durch zahlreiche kleine, zunächst rosa und später intensiv rote Pünktchen gekennzeichnet ist. Diese Punkte sind oft rau und fühlen sich ähnlich wie Sandpapier an. Der Ausschlag beginnt meist am Rumpf und breitet sich innerhalb weniger Tage auch auf Hals, Hände und Füsse aus. Dabei bleiben Bereiche wie das Mund-Kinn-Dreieck, die Handinnenflächen und die Fusssohlen typischerweise ausgespart.
Besonders auffällig ist die Rötung der Wangen, die im Kontrast zur blassen Haut um den Mund steht. Während der Ausschlag nach etwa einer Woche langsam zurückgeht, zeigt sich in den folgenden Wochen häufig eine Hautabschuppung, vor allem an den Handflächen, Fingerkuppen, Fusssohlen und Zehenenden. Je nach Person können diese Symptome mild ausfallen und kaum störend sein oder stark mit intensivem Krankheitsgefühl, Halsschmerzen, hohem Fieber und deutlich sichtbarem Hautausschlag einhergehen.
Scharlach wird durch Bakterien aus der Gruppe der A-Streptokokken verursacht, die während einer akuten Erkrankung vor allem im Rachenraum der Betroffenen in grosser Anzahl vorhanden sind. Diese Erreger verbreiten sich hauptsächlich durch winzige Tröpfchen, die beim Sprechen, Husten oder Niesen freigesetzt werden. Wenn andere Menschen diese infektiösen Tröpfchen einatmen, gelangen die Bakterien in ihren Körper und können eine Infektion auslösen. Das macht die Übertragung von Scharlach besonders leicht und erklärt, warum die Krankheit häufig in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten auftritt.
Die Ansteckungsgefahr ist vor allem in den kühlen Monaten erhöht, wenn sich viele Menschen in geschlossenen Räumen aufhalten und Atemwegsinfektionen generell häufiger auftreten. Auch wenn eine Person keine offensichtlichen Krankheitssymptome zeigt, können die Bakterien bereits übertragen werden.
Neben der direkten Übertragung durch die Luft spielt auch die Berührung von erregerhaltigen Sekreten eine Rolle: wenn ein kontaminiertes Objekt angefasst und anschliessend Mund oder Nase berührt werden, besteht ebenfalls eine Infektionsgefahr. Seltener ist die Aufnahme von verunreinigten Lebensmitteln oder Wasser.
Bei Scharlach hängt die Dauer der Ansteckungsfähigkeit entscheidend davon ab, ob eine Behandlung mit Antibiotika erfolgt. Ohne Therapie besteht die Infektionsgefahr bis zu drei Wochen, da die Bakterien in dieser Zeit weiterhin übertragen werden können. Sobald eine antibiotische Behandlung begonnen wurde, reduziert sich das Risiko, andere anzustecken, bereits nach etwa 24 Stunden deutlich.
Um die Ansteckungszeit zu verkürzen und eine Ausbreitung der Erkrankung zu verhindern, ist es wichtig, die Medikamente genau nach Anweisung einzunehmen. In der Regel dürfen Kinder, die an Scharlach erkrankt sind, nach zwei Tagen unter Therapie wieder in den Kindergarten oder die Schule zurückkehren, da dann keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.
Scharlach zählt zu den Infektionskrankheiten, bei denen eine ärztliche Abklärung ratsam ist, da er ohne gezielte Behandlung zu Komplikationen führen kann. Obwohl die Erkrankung in vielen Fällen mild verläuft, besteht ohne geeignete Therapie das Risiko, dass sich die Bakterien im Körper weiter ausbreiten und Entzündungen an verschiedenen Organen und Geweben verursachen. Die rechtzeitige Einnahme von Antibiotika wirkt symptomlindernd, verhindert eine Verschlimmerung der Infektion und eine Übertragung auf andere Personen.
In sehr seltenen Fällen kann Scharlach jedoch zu ernsten Gesundheitsproblemen führen, die über den üblichen Krankheitsverlauf hinausgehen. Dazu gehören neben eitrigen Entzündungen der Mandeln auch Lungen- oder Mittelohrentzündungen sowie entzündliche Reaktionen in Gelenken und am Herzen, die durch eine übermässige Immunantwort verursacht werden.
Besonders kritisch sind Verläufe, bei denen Bakterien in die Blutbahn gelangen und eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) oder ein toxisches Schocksyndrom auslösen. Solche Komplikationen sind zwar selten, erfordern aber eine sofortige medizinische Behandlung.
Dank gezielter antibiotischer Behandlung ist Scharlach heute gut heilbar und hat somit seinen früheren Schrecken verloren. Für einen unkomplizierten Verlauf ist es jedoch entscheidend, die Symptome frühzeitig zu erkennen und umgehend einen Arzt aufzusuchen.


