Ein anaphylaktischer Schock ist die schwerste Form einer allergischen Reaktion und kann innerhalb kürzester Zeit zum Tode führen. Dabei handelt es sich um eine überschiessende Immunreaktion, bei der grosse Mengen des Botenstoffs Histamin freigesetzt werden. Dieser führt unter anderem dazu, dass sich die Blutgefässe abrupt erweitern. In der Folge fällt der Blutdruck massiv ab, während das Herz gleichzeitig versucht, den Kreislauf durch eine beschleunigte Schlagfrequenz stabil zu halten.
Die Kombination aus starkem Blutdruckabfall und den damit verbundenen Veränderungen im Kreislauf kann einen völligen Zusammenbruch verursachen. Ohne rasches Eingreifen besteht die Gefahr, dass lebenswichtige Organe nicht mehr ausreichend versorgt werden, was schliesslich zu einem Multiorganversagen führen kann. In besonders dramatischen Verläufen tritt bereits nach wenigen Minuten Bewusstlosigkeit ein oder es kommt zu einem Herzstillstand. Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind besonders gefährdet, da ihr Organismus einer solchen extremen Belastung oft weniger standhalten kann.
Ein anaphylaktischer Schock entsteht, wenn der Körper übermässig stark auf eigentlich harmlose Substanzen reagiert. Diese Stoffe werden als Allergene bezeichnet und können in Lebensmitteln, Insektengiften oder Arzneimitteln enthalten sein. Zu den typischen Lebensmitteln, die eine schwere Reaktion hervorrufen können, zählen Nüsse, Erdnüsse, Fisch, Schalentiere, Sellerie, Soja, Weizen, Hühnereier und Kuhmilch. Bei Erwachsenen sind zusätzlich häufig Schmerz- und Narkosemittel, bestimmte Antibiotika oder auch Röntgenkontrastmittel problematisch. Eine Überempfindlichkeit gegen Stiche von Wespen, Bienen, Hornissen oder Hummeln ist ausserdem besonders verbreitet.
Die Auslöser unterscheiden sich je nach Altersgruppe: im Kindesalter sind es vor allem Lebensmittel, während bei Erwachsenen Gifte von Insekten und Arzneimittel im Vordergrund stehen. Beim Weizen gibt es sogar eine besondere Form der Anaphylaxie, die nur dann auftritt, wenn der Verzehr mit körperlicher Belastung oder dem Konsum von Alkohol bzw. Schmerzmitteln kombiniert wird.
Zusätzlich gibt es Faktoren, die das Risiko verstärken können. Dazu gehören körperliche Anstrengung, Infekte oder der Konsum von Alkohol. Auch bestehende Erkrankungen wie Asthma oder Herz-Kreislauf-Leiden erhöhen die Wahrscheinlichkeit für schwere Verläufe, insbesondere im höheren Lebensalter. In seltenen Fällen kann eine Anaphylaxie sogar im Rahmen einer Hyposensibilisierung ausgelöst werden.
Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle Allergiker sofort mit einem Schock reagieren. Manche Betroffenen zeigen nach Kontakt mit dem Allergen lediglich leichtere Beschwerden, was verdeutlicht, dass die Ausprägung individuell sehr unterschiedlich sein kann.
Ein anaphylaktischer Schock kündigt sich in der Regel sehr schnell nach dem Kontakt mit einem Allergen an und betrifft mehrere Organsysteme gleichzeitig. Mögliche erste Anzeichen sind plötzlich auftretender Juckreiz, ein Brennen auf den Handflächen, den Fusssohlen oder im Mundraum, ein metallischer Geschmack oder ein Kribbeln auf der Zunge. Häufig treten zudem Hautveränderungen wie Rötungen, Quaddeln oder Schwellungen im Bereich von Lippen, Zunge und Rachen auf, die das Schlucken erschweren können.
Neben diesen Haut- und Schleimhautreaktionen entwickeln viele Betroffene zudem Beschwerden im Magen-Darm-Bereich wie Übelkeit, Bauchschmerzen, Krämpfe oder Erbrechen. Gleichzeitig können Atemprobleme in Form von Heiserkeit, Husten, pfeifenden Geräuschen oder einer fortschreitenden Atemnot entstehen. Ein Anschwellen der Kehlkopfschleimhaut oder ein Bronchospasmus verschärfen die Situation erheblich und können die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen.
Auch das Herz-Kreislauf-System reagiert empfindlich: Herzrasen, Blutdruckabfall, Herzrhythmusstörungen bis hin zum Kreislaufversagen sind möglich. Ein rapider Abfall des Blutdrucks ist besonders gefährlich, da er bei Kindern und Erwachsenen unterschiedlich definiert wird und ein ernstes Warnsignal darstellt. In schweren Fällen kommt es zu Bewusstseinstrübung, Orientierungslosigkeit oder Panikgefühlen, die den kritischen Zustand zusätzlich verdeutlichen.
Medizinisch wird die Anaphylaxie in vier Schweregrade eingeteilt: von Hautreaktionen mit Juckreiz und Flush (Grad I) über zusätzliche Magen-Darm-, Atemwegs- und Kreislaufbeschwerden (Grad II) bis hin zu ausgeprägten Atem- und Kreislaufstörungen mit Bewusstseinseintrübung (Grad III). Grad IV beschreibt die seltenste, aber gefährlichste Form mit Atem- und Kreislaufstillstand.
Eine allergische Reaktion entsteht durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems, welches eigentlich harmlose Eiweisse als Bedrohung einstuft. Bei Menschen mit einer Allergie kommt es nach dem ersten Kontakt mit einem Allergen zur Bildung spezieller Abwehrstoffe, der sogenannten IgE-Antikörper. Diese richten sich sehr spezifisch gegen bestimmte Proteine, zum Beispiel aus Pollen, Lebensmitteln oder Insektengiften.
Treffen die Betroffenen erneut auf das jeweilige Allergen, binden sich die IgE-Antikörper daran und aktivieren bestimmte Immunzellen, darunter Mastzellen und basophile Granulozyten. Diese setzen anschliessend eine Vielzahl entzündungsfördernder Substanzen, unter anderem Histamin, Prostaglandine und Leukotriene, frei. Die Wirkung dieser Botenstoffe zeigt sich in einer Erweiterung der Gefässe, einer erhöhten Durchlässigkeit der Gefässwände sowie in Verkrampfungen der Bronchien und Venen.
In seltenen Fällen können auch Reaktionen auftreten, die nicht über IgE-Antikörper vermittelt werden, wie etwa bei Allergien vom verzögerten Typ oder bei sogenannten Pseudoallergien. Dabei werden die entzündlichen Prozesse direkt ausgelöst, ohne dass das Immunsystem klassisch beteiligt ist. Auch bestimmte Arzneimittel können diese Mechanismen in Gang setzen und so eine anaphylaktische Reaktion hervorrufen.
Ja,ein allergischer Schock kann erneut auftreten. Wer bereits eine Anaphylaxie durchlebt hat, trägt ein erhöhtes Risiko, bei erneutem Kontakt mit demselben Allergen eine ebenso starke Immunreaktion zu entwickeln. Die Neigung des Körpers, erneut so heftig zu reagieren, bleibt bestehen, da er das Allergen weiterhin als Bedrohung einstuft.
Ein anaphylaktischer Schock ist ein akuter medizinischer Notfall, der sofortiges Handeln erfordert, um Lebensgefahr abzuwenden. Nur eine schnelle Behandlung durch einen Arzt und die anschliessende Versorgung im Krankenhaus können verhindern, dass eine anaphylaktoide Reaktion lebensgefährlich verläuft.


